Die Welt von Frontlines befindet sich im Jahr 2024. Sie ist das bedrückende Ergebnis der Exzesse und Fehltritte des 20. Jahrhunderts. Überbevölkerung, Umweltzerstörung, technologischer Fortschritt und der Zerfall politischer und kultureller Strukturen haben aus der Welt einen gefährlichen und chaotischen Ort gemacht.
"Landwirtschaft brach zusammen"
Zwei unzertrennlich miteinander verwobene Entwicklungen üben den größten Einfluss auf den Zustand der Welt des Jahres 2024 aus: Überbevölkerung und Umweltzerstörung. Das Wachstum der Bevölkerung auf über 7,5 Milliarden Menschen führte dazu, dass die Umwelt unter den Anforderungen der Menschheit zusammenbrach. Durch die jahrelange Umweltverschmutzung wandelte sich das Klima wesentlich stärker, als es alle Computermodelle je vorausgesagt hatten: Wider starben, Felder verwandelten sich zu Wüsten, Gletscher schmolzen und trockene Gebiete wurden überflutet. Am schlimmsten jedoch ist das dramatisch veränderte Wetter. Die gewohnten Wetterzyklen wurden auf den Kopf gestellt. Schnee fiel in Wüsten, jährliche Regenfälle blieben aus und eine neue Klimakatastrophe nahm ihren Lauf. Dies wirkte sich auch auf das menschliche Zusammenleben aus: Die Landwirtschaft brach zusammen und Wasserquellen versiegten, es kam zu Hungersnöten, Abwanderungen und Konflikten. Über tausend Jahre alte Systeme zur Unterstützung der Wirtschaft und der Bevölkerung wurden durch das Fehlen natürlichen Kapitals aus den Angeln gehoben. Und alle, die davon abhängig waren, standen vor dem Nichts.
"Ganze Nationen kämpften um Energievorkommen"
Zusätzlich beendete die Erschöpfung der fossilen Brennstoffe die einst stetig steigende Versorgung mit günstiger Energie. Als die großen Erdöl-, Gas- und Kohlevorkommen versiegten, wurden die Bemühungen zur schnellstmöglichen Erschließung kleinerer Vorkommen immer aggressiver, angespornt durch stetig steigende Marktpreise. Ganze Nationen kämpften um Energievorkommen, die vormals als zu gering erachtet wurden. Unzählige Kleinstaaten, wie das südamerikanische Venezuela oder diverse mittelasiatische Staaten, erlebten einen Aufschwung, als ihre einst bescheidenen Energievorkommen mit einem Mal unvorstellbar wertvoll wurden und Kapital sowie politischer Einfluss plötzlich stiegen. Dies sorgte für eine kurze Phase der Modernisierung und des Wohlstands, zumindest für eine kleine elitäre Klasse, bis auch deren Vorkommen erschöpft waren und sie wieder in ihren vorigen wirtschaftlichen Status zurückfielen.
"Indonesien [...] eine Hochburg gefährlicher Piratenstämme"
Der durch die Überbevölkerung enorm gestiegene Bedarf an natürlichen Rohstoffen und finanziellen Mitteln sowie die schwindende Energieversorgung verlangten einen hohen Preis vom einst so mächtigen System aus Staaten und Superstaaten. In der Dritten Welt, vor allem in Afrika und Südostasien, lösten sich einst nichtige Staaten einfach auf und zerfielen in ein wildes Durcheinander aus unzivilisierten Landstrichen. Stammesbündnissen und von Kriegsherren besetzten Ländereien. So ist beispielsweise das durch übermäßigen Raubbau völlig zerstörte und abgerodete Indonesien in großen Teilen eine Hochburg gefährlicher Piratenstämme. die untereinander um das Recht kämpfen, Eindringlinge und Nachbarn ausplündern zu dürfen. In anderen Gebieten, wie zum Beispiel Mittelasien und dem Nahen Osten, konnte die Integritt der einzelnen Staaten nur durch den äußeren Einfluss anderer Staaten aufrecht erhalten werden. Manchmal geschah dies als Akt der Unterstützung oder als Teil eines Bündnisses. Manchmal wurden die Staaten einfach eingegliedert oder durch eine Marionetten-Regierung kontrolliert. So wurde etwa Afghanistan von der Westkoalition - einem Bündnis der ehemaligen NATO-Staaten - besetzt und annektiert, um als sicherer Stützpunkt zur Sicherung ihrer Energiegewinnungs-Operationen in der Region zu dienen.
"Entwicklungen der [...] Globalisierung [wurden] umgekehrt"
Durch den Energiemangel sank bei den Industrienationen der Einfluss und der Geltungsbereich der Nationalstaaten. Die Supermächte wurden geschwächt, weil sie ihre Macht nicht mehr auf große Entfernungen außerhalb ihrer Grenzen ausüben konnten. Kleinere Staaten wurden in Bündnisse und untergeordnete Rollen gezwungen, um weiterhin die Rohstoffe erhalten zu können, die sie zum Erhalt ihrer Souveränität benötigen. So wurden die Supermächte zwar im Vergleich untereinander geschwächt, gegenüber kleineren Staaten jedoch wurden sie gestärkt. Im Allgemeinen wurden die Entwicklungen der in den vorherigen Jahrzehnten geprägten Globalisierung umgekehrt. Sie sind einer stärkeren Regionalisierung gewichen, die die Staaten zu direkteren Beziehungen mit ihren Nachbarn zwingt. Auf fast allen Kontinenten werden kleinere und größere Kriege geführt, und so schickt sich das 21, Jahrhundert bereits in seinen ersten 24 Jahren an, die zahllosen Todesopfer des 20. Jahrhunderts bei weitem zu übertreffen.
"Kluft zwischen der oberen und unteren Klasse [...] wächst"
Fast alle Nationen, egal ob reich oder arm, entwickeln sich immer mehr zu Zweiklassengesellschaften, in denen der Mittelstand verschwindet und die Kluft zwischen der oberen und unteren Klasse stetig wächst. So kam es zu massiven Bürgerunruhen und zu internen Konflikten, in denen sich die Armen gegen die ungleiche Verteilung der knappen Güter auflehnten, während die Reichen mithilfe von Technologie und staatlichen Hilfsmitteln versuchten, ihren Status aufrecht zu erhalten. Dies führte in starken Staaten zu steigender staatlicher Unterdrückung. Grundrechte und Freiheiten der Bürger wurden eingeschränkt. Schwächere Staaten hingegen wurden gestürzt, von extremistischen politischen Kräften übernommen oder versanken endgültig im Klassenkampf. Allgemein lebte ein neuer Totalitarismus auf, besonders in Staaten wie Russland oder China, die in der Vergangenheit bereits ihre Erfahrungen darin hatten. In 'freieren' Teilen der Industrienationen, deren Bevölkerung mit den Idealen von Demokratie und Freiheit aufgewachsen ist. werden immer ausgefeiltere Techniken der gesellschaftlichen Manipulation und der Meinungsbildung benötigt, um die wachsende Unruhe der Bevölkerung zu unterdrücken. Doch auch hier setzen Regierungen immer häufiger statt auf Propaganda und Fehlinformationen auf rohe Gewalt, um gegenläufige Meinungen zum Verstummen zu bringen. Alle Industrienationen setzen auf Gewalt, um störende Elemente innerhalb der Bevölkerung ruhig zu stellen. Als Ergebnis entwickeln sich immer mehr Polizeistaaten, in denen die zivilen Regierungseinrichtungen immer mehr die Kontrolle über das immer mächtigere Militär verlieren.
"der [...] Energiemangel [führte] zu dramatischen Änderungen des Lebensstils"
Die Länder, die nicht in der Lage waren, um die knappen Energie- und Rohstoffreserven zu kämpfen, mussten sich als Erste mit dem Problem der schwindenden Energieversorgung auseinandersetzen. Indien setzte zum Beispiel auf günstige, effiziente, technisch meist fortschrittliche, alternative Energiequellen, wie zum Beispiel Solar- und Windenergie oder auch Biokraftstoffe, um den täglichen Energiebedarf zu decken. Vieles davon wurde auch in einzelnen Haushalten und ganzen Wohngegenden zur Eigenversorgung übernommen. In den Industrienationen, wo man den Luxus günstiger Energie gewohnt war, führte der fortschreitende Energiemangel zu dramatischen Änderungen des Lebensstils. Bis auf eine kleine elitäre Minderheit mussten sich alle an einen niedrigeren Lebensstandard gewöhnen. Der zuvor recht verschwenderische Umgang mit Energie, zum Beispiel durch gelegentliche Fernreisen, über die Maße ausgeleuchtete Städte oder Fahrzeuge mit nur einem Insassen, wich effizienteren Lösungen, die vor allem praktisch und langlebig waren. Die Menschen lernten wieder, Nahrung anzubauen und alles etwas haltbarer zu machen. Die Glücklichen, die von Katastrophen und anderen verheerenden Veränderungen verschont blieben, gewöhnten sich schnell an einen einfacheren Lebensstil. In weiten Teilen der Dritten Welt konnte jedoch keine noch so große Änderung des Lebensstils das Unausweichliche verhindern: ein Massensterben. Vielerorts in Afrika, dem Mittleren Osten und Südasien lebten einfach zu viele Menschen. Seuchen und Hungersnöte löschten ganze Familien und Kulturen aus, Städte brannten nieder und wo es noch konnte, versuchte die Natur, kultivierte Landstriche zurückzuerobern.
"einzelne Staaten [schlossen sich] zu 'supermächtigen' Bündnissen zusammen"
So wie einst die Europäische Union entstand, um den Stahlhandel zu regulieren, schlossen sich einzelne Staaten zu 'supermächtigen' Bündnissen zusammen, um ihren Einfluss zu bündeln und so gegenseitig ihre Energievorkommen zu sichern, auch wenn immer wieder mal andere gemeinsame Ziele als Vorwand genannt wurden. Die Idee dahinter war einfach: Wenn die Energiereserven nur für etwa die Hälfte der Welt reichten, hätte die Hälfte die besten Chancen zur Sicherung dieser Reserven, die sich zu diesem Zweck vereint. Die derzeitige Ordnung entstand aus diplomatischer Bequemlichkeit. Für Russland und Asien war es schlicht einfacher, sich zusammenzuschließen und die zwischen ihnen liegenden mittelasiatischen Ölvorkommen zu teilen, als darum zu kämpfen. Letzteres hätte zwangsläufig zur gegenseitigen Vernichtung geführt, womit das Öl an ihre gemeinsamen Feinde übergegangen wäre. Und da ein Konflikt mit China über den russischen Teil Sibiriens unausweichlich schien, hielt Russland es für klüger, die Chinesen auf der eigenen Seite zu wissen, um den Konflikt vielleicht doch zu vermeiden oder zumindest zu entschärfen. Außerdem konnte man so die Chinesen besser beobachten. Letztendlich war das Ergebnis dennoch dasselbe, da chinesische Einwanderer schnell das Bevölkerungsloch schlossen, das Russlands abnehmende Bevölkerungszahl in Sibirien hinterlassen hatte. Sibirien wurde wieder chinesisch.
"NATO-Bündnis [...] wiederbelebt"
Die Westkoalition wuchs wesentlich natürlicher zusammen, da die NAFU-Staaten und die EU in der NATO schon sehr lange miteinander verbündet waren. Im Prinzip wurde das NATO-Bündnis einfach wiederbelebt, um das Grundgerüst der Koalition zu stellen, als sich die Rotstern-Allianz formierte, um ihrerseits die Energievorkommen in Mittelasien zu bündeln. Da es innerhalb der Koalition keine großen territorialen Spannungen gab, war sie erheblich stabiler und verfolgte auch ihre Ziele im Ausland deutlich zielstrebiger. Mächtige Verbündete, wie Indien, Pakistan oder auch Japan, schlossen sich allein schon deshalb an, weil sie sich durch die Existenz der Rotstern-Allianz bedroht fühlten. Das Hauptproblem der Koalition lag jedoch in der weit verstreuten Aufteilung ihrer Mitgliedsstaaten, die zumeist weit von den strategischen Zielen entfernt waren, die sie zu kontrollieren versuchten. Als die Ressourcen immer knapper wurden, verschwendete die Koalition im Ausland letztlich sehr viel Energie, die sie daheim hätte gebrauchen können. Regionen wie Kalifornien oder Kanada, die den Bedarf ihrer Bevölkerung mit einheimischen Ressourcen decken konnten, opferten diese letztlich, um so Aneignungsvorhaben in weit entfernten Orten zu finanzieren, von denen die meisten obendrein scheiterten. Dies spaltete die Koalition und führte zu erheblichen internen Spannungen, die bis heute nicht bereinigt werden konnten.
"herausragendes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit und die Vernunft der Menschheit [...] war [...] die Südamerikanische Sozialistische Föderation"
Wenn es im 21. Jahrhundert ein herausragendes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit und die Vernunft der Menschheit gab, dann war dies die Südamerikanische Sozialistische Föderation. Die Regierungen in Südamerika unternahmen viele bewundernswerte Schritte, um die Bevölkerungen ihrer Länder zu erhalten und zu beschützen. Vielleicht lag es auch daran, dass sie schon lange vor allen anderen Nationen mit Problemen des Warenmangels, der Armut und des Staatsterrorismus zu kämpfen hatten. Sinnvolle Methoden der Rohstoffverteilung, fairer Handel und gesetzliche Besitzrechtsregelungen - von denen einige recht drastisch waren - konnten viel von dem Leid abwenden, welches in den restlichen Teilen der Welt zu spüren war. Abgesehen davon, dass sie immense Verwüstungen anrichteten, sorgten die imperialistischen Angriffe der nordamerikanischen Staaten nur dafür, dass Südamerika noch stärker zusammengeschweißt und das gemeinschaftliche Bewusstsein gestärkt wurde.
Entstanden ist daraus eine beispiellose Zusammenarbeit, um den kommenden schweren Zeiten entgegenzutreten.
